SteuernAktualisiert: Januar 2026

Fünftelregelung — Definition & Erklärung

Die Fünftelregelung hilft dir, Steuern auf Sonderzahlungen wie Abfindungen zu sparen.

Kurz & bündig

Die Fünftelregelung kann dein Netto-Gehalt erheblich erhöhen, wenn du eine Abfindung oder ähnliche Sonderzahlungen erhältst, da sie die auf diese Zahlungen anfallende Steuerlast spürbar senkt.

Was ist Fünftelregelung?

Die Fünftelregelung ist eine steuerliche Begünstigung, die vor allem bei sogenannten außerordentlichen Einkünften greift. Das sind Einkünfte, die du nicht regelmäßig erhältst, wie zum Beispiel eine Abfindung bei einer Kündigung, eine Bonuszahlung oder eine Nachzahlung von Bezügen. Ohne die Fünftelregelung würden diese Einkünfte zu deinem normalen Jahreseinkommen addiert werden, was deinen Steuersatz erheblich erhöhen und somit zu einer deutlich höheren Steuerlast führen könnte.

Vereinfacht gesagt: Statt die gesamte einmalige Zahlung sofort mit deinem höchsten Grenzsteuersatz zu versteuern, wird sie so behandelt, als ob du nur ein Fünftel davon im aktuellen Jahr erhalten würdest. Die Steuer für dieses eine Fünftel wird berechnet. Anschließend wird diese Steuer vervielfacht (mit 5 multipliziert), um die Steuer für die gesamte außerordentliche Einkunft zu ermitteln.

Dieser Mechanismus soll verhindern, dass Arbeitnehmer durch einmalige, hohe Zahlungen in eine ungerechtfertigt hohe Steuerstufe rutschen. Die tatsächliche Steuerersparnis hängt allerdings stark von deinem sonstigen Einkommen und deinem persönlichen Grenzsteuersatz ab. In manchen Fällen, insbesondere wenn dein sonstiges Einkommen sehr niedrig ist, kann die Fünftelregelung auch weniger vorteilhaft sein als die normale Besteuerung.

Fünftelregelung im Detail

Die Fünftelregelung ist in § 34 Einkommensteuergesetz (EStG) geregelt. Sie kommt zur Anwendung, wenn die Voraussetzungen für eine ermäßigte Besteuerung von außerordentlichen Einkünften erfüllt sind. Dazu zählen insbesondere:

  • Abfindungen oder ähnliche Bezüge, die als Entschädigung für den Verzicht auf zukünftige Einkünfte gewährt werden (§ 3 Nr. 9 EStG).
  • Veräußerungsgewinne aus der Aufgabe oder Veräußerung eines Betriebs oder Teilbetriebs oder eines Anteils daran (begrenzt auf einen Freibetrag).
  • Einkünfte aus der Veräußerung von Betriebsvermögen.
  • Nachzahlungen von Bezügen, die eigentlich in früheren Jahren hätten gezahlt werden müssen.

Die Ermäßigung der Steuer erfolgt, indem die Steuer für das gesamte Einkommen des Jahres ohne die außerordentlichen Einkünfte berechnet wird. Dann wird die Steuer für das gesamte Einkommen inklusive eines Fünftels der außerordentlichen Einkünfte berechnet. Die Differenz zwischen diesen beiden Steuerbeträgen wird mit 5 multipliziert. Dies ist dann die Steuer, die auf die gesamten außerordentlichen Einkünfte entfällt.

Wichtig: Die Fünftelregelung ist nicht automatisch zu deinen Gunsten, wenn dein persönlicher Steuersatz niedrig ist. Du kannst im Rahmen deiner Einkommensteuererklärung prüfen lassen, ob die Anwendung der Fünftelregelung für dich vorteilhaft ist.

Beispiel

Angenommen, du erhältst eine Abfindung von 30.000 € und dein übliches Jahresgehalt (ohne die Abfindung) beträgt 50.000 €. Dein Grenzsteuersatz liegt sonst bei 35%. Ohne die Fünftelregelung würden die 30.000 € zu deinem Einkommen hinzukommen und dich in eine höhere Steuerklasse schieben, was zu einer Steuerlast von über 30% auf die Abfindung führen könnte. Mit der Fünftelregelung wird nur 1/5 der Abfindung (also 6.000 €) zu deinem Einkommen addiert. Die Steuer auf diese 6.000 € wird berechnet und dann mit 5 multipliziert. Dies ist deutlich günstiger, da dein Durchschnittssteuersatz auf die 30.000 € stark sinkt.

Berechnung

Steuer auf das gesamte Einkommen (ohne außerordentliche Einkünfte) = S1 Steuer auf das gesamte Einkommen + 1/5 der außerordentlichen Einkünfte = S2 Steuer auf die außerordentlichen Einkünfte = (S2 - S1) * 5

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Häufige Fragen zu Fünftelregelung

Für welche Zahlungen greift die Fünftelregelung genau?

Die Fünftelregelung kommt bei sogenannten außerordentlichen Einkünften zur Anwendung. Dazu zählen vor allem Abfindungen, Entlassungsentschädigungen, Bonuszahlungen, Nachzahlungen von Bezügen oder auch bestimmte Veräußerungsgewinne.

Muss ich die Fünftelregelung beantragen?

Nein, in der Regel wird die Fünftelregelung bereits vom Arbeitgeber beim Lohnsteuerabzug berücksichtigt, sofern er die entsprechende Information über die außerordentliche Einkunft erhält. Wenn du jedoch eine Einkommensteuererklärung abgibst, prüft das Finanzamt automatisch, ob die Fünftelregelung für dich vorteilhaft ist und wendet sie gegebenenfalls an.

Ist die Fünftelregelung immer vorteilhaft?

Nicht unbedingt. Die Fünftelregelung ist vorteilhaft, wenn sie deinen Grenzsteuersatz auf die Sonderzahlung senkt. Wenn dein sonstiges Einkommen sehr niedrig ist und die außerordentliche Einkunft die Steuerprogression nur geringfügig beeinflusst, kann es sein, dass die normale Besteuerung günstiger ist. Das Finanzamt prüft dies in der Steuererklärung.

Wie berechnet sich die Steuerersparnis durch die Fünftelregelung?

Die Steuerersparnis ergibt sich daraus, dass die außerordentliche Einkunft steuerlich so behandelt wird, als würde nur ein Fünftel davon dein zu versteuerndes Einkommen im laufenden Jahr erhöhen. Dadurch rutschst du nicht so schnell in höhere Steuerklassen, und der durchschnittliche Steuersatz auf diese Sonderzahlung ist niedriger.

Gilt die Fünftelregelung auch für mehrere außerordentliche Einkünfte im selben Jahr?

Ja, grundsätzlich kann die Fünftelregelung auch für mehrere außerordentliche Einkünfte angewendet werden, die im selben Kalenderjahr zufließen. Das Finanzamt berücksichtigt dies bei der Einkommensteuererklärung und prüft die Gesamtauswirkungen.

Diese Seite dient der allgemeinen Information und ersetzt keine Rechts- oder Steuerberatung. Alle Angaben ohne Gewähr. Stand: 2026.